Unsere Antwort auf die Greenpeace-Studie
Altkleidersammlung war zuletzt durch eine Greenpeace-Studie in die Schlagzeilen geraten, viel wurde über Exporte und fragwürdige Entsorgungswege diskutiert. Doch die Realität sieht differenzierter aus – insbesondere dort, wo Soziale Unternehmen Verantwortung übernehmen. In diesem Artikel kommen Soziale Unternehmen aus Vorarlberg zu Wort:
Keine leeren Kilometer
In Vorarlberg zeigen die Sozialen Unternehmen carla (Caritas) und Siebensachen (INTEGRA) vor, wie ökologisch UND sozial nachhaltige Kreislaufwirtschaft funktioniert - ganz ohne leere Kilometer!
Ziel der Sozialen Unternehmen ist nämlich nicht der schnelle Gewinn, sondern die Verknüpfung von Ökologie und sozialer Integration. Gespendete Kleidung wird in Vorarlberg von Langzeiterwerbsarbeitslosen sortiert, aufbereitet und in regionalen Filialen verkauft. Was nicht im Laden landet, kommt großteils Bedürftigen zugute. Auf diese Weise entstehen Arbeitsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt, während gleichzeitig wertvolle Ressourcen geschont werden.
Das Modell hat gleich mehrere Vorteile:
- Kreislaufwirtschaft statt Müllberge: Jedes Kleidungsstück, das ein zweites Leben erhält, spart Wasser, Energie und CO₂ ein.
- Regionale Wertschöpfung: Statt Ware um die halbe Welt zu transportieren, bleibt der Großteil im Land.
- Soziale Wirkung: Beschäftigung und Qualifizierung schaffen Chancen für Menschen, die sonst am Rande des Arbeitsmarktes stehen.
Kommentare Sozialer Unternehmen
Dazu Ulli Schmid-Santer, GF arbeit plus Vorarlberg:
„Kreislaufwirtschaft liegt in unser aller Verantwortung. Sie beginnt bei der bewussten und intelligenten Infrastruktur, Produktion und Nutzung von Handelsware. Wir alle können die Lebensdauer von Produkten durch Wiederverwendung und Reparatur verlängern. Die Sozialen Unternehmen von arbeit plus Vorarlberg unterstützen die Kreislaufwirtschaft durch Sammeln, Sortieren, Reparieren, Secondhand-Verkauf und Aufbereitung von Materialen für die Wiederverwertung. Mit diesen Tätigkeiten beschäftigen sie Personen aus der Langzeitarbeitslosigkeit sinnvoll in befristeten Arbeitsverhältnissen. Kreislaufwirtschaft trägt somit den Mehr-Wert in mehrfacher Weise in sich und bringt uns allen etwas.“
Karin Pritzi von Siebensachen (INTEGRA) erklärt folgendes:
„Wir haben im Jahr 2024 allein im Textilbereich über 10 TONNEN an Spenden erhalten. Alle Kleidungsartikel, die irgendwie verkäuflich sind, werden im Laden verkauft - nur an unsere Kunden, nicht an Händler oder andere Länder. Nicht verkäufliche Kleidung wird bei uns zu Einkaufstaschen oder Putzlappen verarbeitet. Was dann noch übrigbleibt, ist wirklich sehr wenig und gehört in den Restmüll. Es gibt bei uns daher so gut wie keine Kleiderspenden, die NICHT weiterverbraucht werden. Seit 2025 werden alte Kleidungsstücke in unserer Nähwerkstatt in Workshops und durch eigene Produktentwicklungen zu neuen Produkten umgearbeitet. Daraus entstehen Einkaufstaschen, Stirnbänder, Patchworkdecken, u.v.m."
Auch carla (Caritas) hat den Greenpeace-Bericht ernst genommen und auf Herz und Nieren geprüft. Auf ihrer Homepage findest du alle Details dazu.
Die Dornbirner Jugendwerkstätten gehören zu jenen Unternehmen, die unverkäufliche Kleidungsstücke zu Putzlappen weiterverarbeiten.
Fast-Fashion Flut und Chancen
Herausfordernd bleibt die wachsende Flut von Fast-Fashion: Billige, kurzlebige Mode verschlechtert die Qualität der Spenden und erschwert die Wiederverwendung.
Chancen auf Veränderung sieht Melanie Spangler, Geschäftsführerin von arbeit plus Tirol, wie folgt: "Textilrecycling allein löst die Krise der Überproduktion nicht. Wir brauchen bewusste Konsumentscheidungen, ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz und transparente Lieferketten. Soziale Unternehmen zeigen, dass Mode auch nachhaltig und fair sein kann – mit regionalem Re-Use und Recycling, Ressourcenschonung und Arbeitsplätzen für benachteiligte Menschen.“
Ein wichtiger Ansatz, zumal der Sektor für gebrauchte Textilien und Abfalltextilien in der EU derzeit die größte Krise seiner Geschichte durchlebt: Unzureichende Kapazitäten in Sachen Textilsammlung und-sortierung stellen Unternehmen in der gesamten EU vor existentielle Herausforderungen. RREUSE, das Re-Use-Netzwerk auf europäischer Ebene, legte erst kürzlich konkrete Forderungen und Maßnahmen dar, die im Rahmen eines Textilen-Notfallplans dringend umgesetzt werden müssen - nachzulesen in den Positionspapieren von Re-Use Austria!
Foto: (c) carla Kleidersortierwerk Hohenems