Sükran - Die süße Wendung nach dem bitteren Burnout
Sükran hat Tag und Nacht gearbeitet – bis die Gesundheit nicht mehr mitspielte, weshalb sie längere Zeit außer Gefecht war. Sie hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Gesellschaft arbeitswillige Menschen bei der Wiedereingliederung unterstützt!
Süki, erzähle uns deine Geschichte
Sükran: Als Gebietsleiterin einer Reinigungsfirma habe ich für meinen Chef alle anstehenden Aufgaben erledigt und bis zu 100 Mitarbeiter:innen betreut. Loyalität war für mich immer wichtig und ich habe alles gegeben. Umso überraschter war ich, als er begonnen hat, mich von heute auf morgen zu mobben und aus der Firma zu ekeln. Durch ihn habe ich das Vertrauen in mich und die Menschen verloren. Plötzlich habe ich mich unter Leuten unwohl gefühlt und mich immer mehr zurückgezogen.
Ich hatte ein Burnout und war lange krank. Obwohl ich immer wieder zu arbeiten anfangen wollte, ging es gesundheitlich leider nicht. Außerdem wusste ich aus meiner vorigen Tätigkeit nur zu gut, wie unangenehm es als Arbeitgeber sein kann, eine Person anzulernen und nur wenige Zeit wieder zu verlieren – das wollte ich niemandem antun.
Ich hatte auch etwas Angst, es einfach irgendwo zu probieren und mein Arbeitslosengeld zu verlieren, wenn es nicht klappen sollte. Es war eine schlimme Zeit.
Wie bist du zur INTEGRA gekommen?
Sükran: Ich wollte unbedingt arbeiten - das hat meine Beraterin beim AMS auch gewusst. Darum hat sie mich zur INTEGRA vermittelt. Da hatte ich im ersten Moment Vorurteile. Als ich „INTEGRA“ gehört habe, dachte ich an Menschen, die nicht arbeiten wollen.
Aber ich habe mich Gott sei Dank geirrt. Meine Betreuerin Anja hat mich sofort verstanden und mir vom Projekt „Basic“ erzählt, wo ich mich langsam wieder ans Arbeiten gewöhnen konnte. Ohne Angst haben zu müssen, im Falle eines Scheiterns ohne Hilfe und Unterstützung dazustehen. In diesem Fall wäre weder das AMS noch der Arbeitgeber sauer auf mich, was mir sehr wichtig war.
Auf der Liste der möglichen Arbeitsplätze war aber nichts Passendes für mich dabei. Also habe ich Anja das Café „See you“ in Röthis vorgeschlagen. Sein Name kommt von der englischen Aussprache der Initialen der Chefinnen: Conny und Ulli – C U – See you!
Seit über einem Jahr bin ich täglich daran vorbeigefahren und war auch manchmal drinnen. Ich habe mir gedacht: „Hier muss es Spaß machen, zu arbeiten!“
Wie ist es weitergegangen?
Sükran: Anja hat bei den Chefinnen angerufen und sie haben gemeint, dass wir das gerne ausprobieren können. Dann ging alles sehr schnell. Ich habe gleich einen Termin bekommen, bin hergekommen und habe mitgearbeitet.
Ich habe ihnen meine Vorgeschichte ehrlich erzählt und sie haben mir anfangs angeboten, ich dürfe mich im Notfall jederzeit hinsetzen. Ich glaube, allein zu wissen, dass diese Möglichkeit besteht, hat mir die Sicherheit gegeben, die ich verloren hatte. Dadurch musste ich sie nie gebrauchen.
Ich habe zuerst mit zehn Stunden pro Woche angefangen, was sich für mich anfangs sehr viel anhörte. Heute arbeite ich dreißig Stunden pro Woche und es ist kein Problem für mich! Ich bin sehr glücklich darüber - wir haben ein super Team.
Was machst du alles?
Sükran: Kurz gesagt: Alles! Ich bin im Service, mache Frühstücksvorbereitungen und arbeite in der hauseigenen Backstube. Ich arbeite, wo immer ich gebraucht werde., weil ich es nicht mag, einfach nur herumzustehen.
Das Café hat eine eigene Bäckerei?
Sükran: Ulli ist die Chefin des Cafés und Bäckerin Conny sorgt jeden Tag für frisch gemachte Torten und feines Gebäck. Sie haben sich als Partnerinnen zusammengetan – und haben großen Erfolg damit. Das Café ist für sein großartiges Frühstück bekannt und wir sind die nächsten Monate bereits ausgebucht!
Jetzt möchten wir natürlich auch deine Chefinnen kennenlernen. Conny und Ulli, wie war das für euch?
Ulli: INTEGRA hat uns kontaktiert und gefragt, ob Süki bei uns mitarbeiten kann. Wir haben damals gemeint, das können wir gerne ausprobieren. Nach kurzer Zeit war es für uns klar: Süki geben wir nicht mehr her! Und jetzt ist es schon so weit, dass meine Kollegin Conny sie von mir „wegklaut“ und in der Backstube einsetzt!
Conny: Ja, wir reißen uns schon intern um sie. Wir können sie überall einsetzen, sie sieht die Arbeit und nimmt uns viel ab. Süki ist eine echte Bereicherung für uns!
Wie siehst du das alles heute?
Sükran: Im Nachhinein bin ich dankbar. Denn ohne diese ganze Misere wäre ich nie zu dieser großartigen Stelle mit meinen tollen Chefinnen und Mitarbeiterinnen gekommen.
Da gibt es wohl kein schöneres Schlusswort. Ich wünsche euch viel Erfolg und viel Spaß bei der Zusammenarbeit!
Kontakt:
Café See you I Rautenastr. 28 I Röthis – Ulrike Blum und Conny Hämmerle
Bild vlnr: Conny Hämmerle, Sükran und Ulli Blum - Download Foto