Arwa: "Meine Herausforderungen bis zur Lehre!"
Die siebzehnjährige Arwa hatte nach ihrer Flucht aus dem Irak allein schon sprachlich einen schwierigen Start. Nun hat sie erfolgreich bei INTEGRA ihren Pflichtschulabschluss (PSA) nachgeholt. Die sympathische junge Frau möchte ohne Foto erwähnt werden.
Guten Morgen Arwa. Erzähle mir, warum der Pflichtschulabschluss wichtig für Dich war.
Ich bin im Irak geboren. Mein Vater arbeitete dort als Bodyguard in der Security. Er musste 2014 oder 2015 aus dem Irak nach Österreich flüchten, nachdem er von der Regierung bedroht wurde. Ihm drohten entweder Jahrzehnte im Gefängnis oder der Tod.
Als er ging, waren wir eine Zeitlang bei meiner Oma. Sie hat uns auch dabei geholfen, die notwendigen Papiere zu bekommen. Wir waren zu dieser Zeit in verschiedenen Ländern wie dem Oman oder der Türkei unterwegs und ich konnte nicht zur Schule gehen. Das alles war ohne Papa sehr hart.
Aber er suchte hier einen Job und hat für uns ein neues Zuhause aufgebaut. Einige Jahre später holte er Mama und uns Kinder nach. Damals hatte ich noch drei Geschwister. 2019 ist meine kleine Schwester dazugekommen.
Ich lebe nun seit acht Jahren im Montafon. Mit neun Jahren bin ich hier in die erste Klasse gekommen, was sehr schwierig für mich war. Ich konnte kein Deutsch und die Kultur war auch ganz anders, als ich sie gewohnt war. Ich habe nicht alles verstanden und musste mehrere Klassen wiederholen. Nachdem ich aber erst mit neun in die Schule kam, war ich in der Mittelschule irgendwann zu alt für die Klasse und durfte nicht weitermachen. Oft dachte ich mir, ich schaffe das nicht!
Also wurde ich abgemeldet. Mein Vater hat mir geraten, zum AMS zu gehen und eine Beratung zu holen. Die rieten mir, bei INTEGRA den Pflichtschulabschluss nachzuholen – und das habe ich im letzten Jahr gemacht!
Gratuliere, gut gemacht. Eine Hürde weniger! Wie war das für Dich im Vergleich zur regulären Schule?
Danke schön. Mein Deutsch ist nun viel besser, darum ist es jetzt leichter geworden. Aber auch die große Unterstützung meiner Lehrerinnen war ein wichtiger Grund, warum es mir dieses Mal leichter gefallen ist. Ich habe das ganze Jahr über fleissig gelernt und mir große Mühe gegeben. Mir wurde klar: Wenn man etwas will und sich wirklich Mühe gibt, dann schafft man das auch!
Außerdem waren wir eine super Gruppe, die gut zusammen gelernt und gearbeitet hat. Das hat uns allen sehr viel gebracht. Dieses Jahr war die beste Zeit – das haben alle gesagt.
Gab es irgendwelche Lieblingsfächer?
Mathe vielleicht ein bisschen. Die Themen waren logisch und sobald ich sie verstanden habe, habe ich mich darüber gefreut. Sonst hatte ich keine Lieblingsfächer.
Wie ist jetzt Dein Plan?
Ich bin seit Juli bereits in einer Lehre als Köchin in einem Feldkircher Hotel und es gefällt mir sehr gut. Die Arbeit und das Team sind großartig. Was nach der Lehre kommt, weiß ich noch nicht.
Gibt es beim Kochen irgendwelche Speisen, die Du besonders gerne zubereitest?
Nein. Mein Lieblingsessen ist Nudeln in allen Variationen, aber ich koche alles gern. Auch arabische Gerichte wie zum Beispiel Dolma – das sind gefüllte Weinblätter. Diese werden in verschiedenen Ländern wie der Türkei, Griechenland oder dem Irak immer anders zubereitet.
Danke für das Interview. Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen weiteren Weg!