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arbeit plus: Frauen im Nachteil - Arbeit neu denken, Rollenbilder aufbrechen

Trotz steigender Erwerbsbeteiligung sind Frauen in Österreich nach wie vor strukturell am Arbeitsmarkt benachteiligt. Während 2023 rund 70 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter einer Arbeit nachgingen, lag der Wert bei Männern bei 78 Prozent. Der größte Unterschied zeigt sich bei der Teilzeitquote: Über die Hälfte der erwerbstätigen Frauen arbeitet Teilzeit, häufig aufgrund von Betreuungspflichten – bei Männern sind es lediglich 13,4 Prozent.

Diese ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zieht sich durch das gesamte Erwerbsleben: weniger Einkommen, geringere soziale Absicherung, höheres Risiko von Altersarmut. Frauen verdienten 2023 im Median rund ein Drittel weniger als Männer, ihre Pensionen lagen über 40 Prozent darunter. In Spitzenpositionen sind sie rar – die gläserne Decke ist Realität.

Die Gründe dafür liegen tief: Ein konservatives Sozialstaatsmodell, das Erwerbsarbeit mit männlicher Vollzeit-Biografie verknüpft, stereotype Geschlechterrollen und unzureichende Strukturen wie etwa Kinderbetreuungseinrichtungen hemmen die Gleichstellung. Laut arbeit plus, einem Netzwerk Sozialer Unternehmen, ist ein radikales Umdenken nötig.

Forderungskatalog für einen fairen Arbeitsmarkt

Das Themenpapier „Frauen am Erwerbsarbeitsmarkt“ von arbeit plus zeigt deutlich: Ohne ein grundlegendes Neudenken von Arbeit und eine gerechte Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit lässt sich Gleichstellung nicht erreichen. Die Organisation fordert:

  • Mehr Anerkennung für Care-Arbeit – sowohl bezahlt als auch unbezahlt. Pflege, Kinderbetreuung und soziale Dienste müssen besser entlohnt werden.
  • Abbau stereotypischer Rollenbilder – mit öffentlichen Kampagnen und familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen wie Elternteilzeit.
  • Frühe Bildungsimpulse – etwa durch Programme wie „FiT – Frauen in Technik“ oder den „Boy’s Day“, die Mädchen und Burschen für untypische Berufsfelder sensibilisieren.
  • Moderne soziale Absicherung – angepasst an Teilzeit- und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die gerade Frauen überproportional betreffen.
  • Infrastruktur statt Ideologie – Der Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung muss endlich Realität werden.
  • Verbindliche Frauenquoten – insbesondere in staatlichen Unternehmen, um Führungspositionen gerechter zu besetzen.
  • Einkommenstransparenz – verpflichtende Lohnberichte sollen den Gender Pay Gap sichtbar und behebbar machen.
  • Gleichstellungsrat einrichten – ein unabhängiges Gremium soll Fortschritte begleiten und Impulse setzen.

Soziale Unternehmen als Wegbereiter

Bereits heute zeigen Soziale Unternehmen, wie Gleichstellung gelingen kann: Projekte wie PERSPEKTIVE:ARBEIT helfen gewaltbetroffenen Frauen in die Unabhängigkeit. Das AL M FrauenTrainingsZentrum begleitet Frauen mit Migrationshintergrund auf dem Weg in technische Berufe. ABZAUSTRIA* setzt auf geteilte Führung durch das Topsharing-Modell. Und der amaZone-Award würdigt Unternehmen, die Mädchen in „untypischen“ Berufen ausbilden.

„Ein Arbeitsmarkt, in dem alle ihren Platz finden, ist kein Luxus, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit“, betont arbeit plus. „Von echter Gleichstellung profitieren nicht nur Frauen – sondern wir alle.“

 

Download Themenpapier arbeit plus